Freundinnen

In den letzten beiden Monaten war ich einmal zum Geburtstagsfrühstück einer Freundin nach Hamburg eingeladen. Sie hatte an diesem Tag all jene zusammenzubekommen, die an ihrem eigentlichen Geburtstag verhindert waren.

Mit Glück für mein Auto direkt vor dem Café einen Parkplatz gefunden, war der kleine Frauenclub an diesem Samstagmorgen sehr lustig und munter mit gutem Appetit. Diese Damen sehe ich meistens auch nur anlässlich des Geburtstages meiner Freundin, somit haben wir jede Menge zu erzählen.

Diese Freundin ist es auch, die gerne anderen vorliest und es auch bereits mehrmals öffentlich getan hat. Sie schreibt sich ihre Gedanken und Geschichten aus dem Kopf und trägt sie bei unterschiedlichen Anlässen und an unterschiedlichen Orten vor. Es gibt eine kleine Fangemeinde, die sich gefunden hat und ihr Fortkommen begleitet.

Aufgrund so unterschiedlicher Lebens- und Arbeitszyklen sehen wir beide uns eher selten, wenn dann aber doch, dann ist es immer intensiv. So war ein letztes Treffen dem Suchen und Finden einer geeigneten Webplattform gewidmet. Dafür mussten wir viel im Netz recherchieren. Bei schönem Wetter später dann, hat es uns aber auch nach draußen verschlagen, um einmal um den Block zu gehen, um dann wieder frisch weiter ans Werk bzw. an den PC zu gehen.

Wir kennen uns auch bereits schon viele Jahre und unser erstes Treffen war auf der Impro-Bühne. Daraus entwickelte sich dann eine tiefe Freundschaft, die bis heute anhält trotz aller Hochs und Tiefs in unserem Leben.

—-

Mit einer anderen Freundin war ich zum Shoppen nach Norderstedt, wo wir neben Klamottenprobieren und Kaufen auch lecker gegessen haben. Hier hatten wir Zeit und Raum zu klönen und uns schöne Dinge anzuschaue. Meistens werde ich auch fündig und finde ein Oberteil oder so für mich, aber meistens finde ich Geschenke für andere und nehme sie gleich mit, wer weiß, wann ich das nächste Mal wieder zum Shoppen komme und es ist nicht im Internet ist.

Mit ihr verbindet mich aber auch eine lange Tradition mit Treffen zum Essen, Frühstücken, Hundetraining und persönlichen Besuchen sowie akuten Hilfseinsätzen. Seit ich hier zwischen Hamburg und Lübeck lebe, ist sie die älteste Freundin, die ich hier habe und wir haben schon viel gemeinsamen Weg beschritten. Wir bleiben immer im Kontakt und lassen den anderen wissen, wie es um uns steht. Auch wenn wir uns nicht sehen, gibt’s ja inzwischen genug Medien, die uns verbinden. Dabei wohnt sie noch nicht mal so weit weg, aber sie wie auch ich haben immer eine Menge um die Ohren.

Das gemeinsame Frühstück so alle paar Monate ist schon fast ein Ritual für uns, meine Freundin lädt mich dann zu sich nachhause ein und wir sitzen und klönen zwischen Brötchen, Krabbensalat und Kaffee. Bei ihr tut sich immer wieder Neues auf, somit gibt es immer viel zu erzählen. Sie hat viel Freude an ihrer Familie und ist nun auch stolze Besitzerin einer Katze, oder Kater? Ehrlich, ich weiß es nicht so genau.

Wir finden immer wieder zueinander und wir erzählen uns dann aus unser beider Leben, die nur durch diese Frühstücke verbunden sind.

Der erste Kaffee am Samstagmorgen mit Croissant gibt es im Bioladen, bevor jede von uns ihren Einkauf startet. Wir schnappen uns unsere Tassen und Teller und setzen uns gleich morgens früh in die Ecke im Bioladen hin und erzählen erst einmal ausführlich über die erlebten Geschehnisse. Wir freuen uns an unserer schon lange bestehenden Freundschaft und verbringen gerne Zeit miteinander. Im Laufe der Jahre haben sich bei uns beiden die Prioritäten geändert, aber wir sind immer noch eng miteinander verbunden. Die gemeinsame Zeit als Kursleiterinnen hat uns zusammengeschweißt und uns verbündet, so gegensätzlich wir auch beide sind. Wir haben gepasst wir Topf und Deckel und das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit hat auch Früchte getragen, wenn eine Teilnehmerin z. B. zu Beginn des Kurses sehr skeptisch gegenüber Ausdruckstanz und „Theaterspielen“ war, aber gegen Ende wie beflügelt unbedingt weitermachen wollte. Das sind tolle Momente, die uns verbinden. Auch unsere Liebe zu Tieren und zur Natur verbindet uns immer wieder aufs Neue. Erst letztens nach einem köstlichen asiatischen Mahl am Abend gingen wir noch durch den Stadtpark und ließen unserem Redeschwall freie Bahn.

Ein Highlight aller Frühstückstreffs alle paar Wochen führt mich zu meiner Freundin und ihrer kleinen Familie. Solange die Jüngste noch nicht im Kindergarten war, geruhte sie bisweilen an unserer Tafel teilzuhaben oder sie ging in ihr Zimmer und spielte sich in die Prinzessin Elsa-Welt hinein. Den Ältesten und den Mann meiner Freundin sehe ich meist nur am Wochenende, und da wir uns meistens an einem Mittwochvormittag treffen, bleibt es bei uns 3 Weibern, inzwischen nun auch nur noch meine Freundin und ich.

Uns begleitet eine lange Zeit des gemeinsamen Theaterspielens und später dann die dadurch gewonnene Freundschaft. Sie ist sehr stark eingebunden in der Familie, den Mann in 3 Arbeitsschichten – das ist alles nicht so einfach und ich erfahre das hautnah. Wie oft schon ist sie am Ende ihrer Kräfte und schafft es dennoch, immer ein gutes Wort für andere zu haben, die Kinder sind Bilderbuchkinder, sie haben Glück, dass ihre Mutter sie die ersten Jahre in ihrem Leben begleitet hat. Meine Freundin ist eine pragmatische Person, eine ehrliche Haut und sie hat das Herz am rechten Fleck. Nicht immer klappt alles so, wie sie es sich wünscht, aber sie nimmt alles an, wie es ist und klagt nicht darüber. Die Familie ist ihr heilig und darüber lässt sie nichts kommen. Sie ist eine tolle Frau. Ja, ich bewundere sie ehrlich, weil sie so viel wuppt und schafft und nicht haareraufend davonläuft. Ich freue mich sehr über unsere Treffen und erlebe dann ganz hautnah, mit welchen Problemen, Sorgen und Freunden sie zu tun hat.

Noch seltener ist ein Treffen zu Dritt, wie auch unsere WhatsApp-Gruppe treffend heißt. Wir drei haben vor vielen, vielen Jahren zusammen Theater gespielt und seitdem gehören wir irgendwie zusammen. Die eine, wie gerade oben beschrieben, hat eine kleine Familie, die andere wird bald Oma. Wir leben in unterschiedlichen Welten, aber es gibt ein lockeres Band, dass uns Drei zusammenhält.  Die zukünftige Oma geht immer mal wieder durch tiefe Täler und ich bewundere sie für ihre humorvolle Haltung „weil Heulen ja eh nix bringt und es dadurch auch nicht besser wird“ (O-Ton). Sie organisiert gerade ihr Leben neu und widmet sich ihrer Tochter und der bevorstehenden Geburt ihres Enkelkindes.

Gerade vor ein paar Tagen erst habe ich meine Freundin – mal wieder beim Griechen – getroffen. Wir haben uns einige Wochen nicht gesehen, da wir beide aus unterschiedlichen Gründen anderweitig involviert waren. Anfangen wollten wir dann bei alt Bewährtem. Es ist erstaunlich, dass wir immer noch im Restaurant sitzen, wenn langsam die Gäste und die Lichter ausgehen. Es ist nie langweilig mit uns beiden, wir reden und reden und reden. Heraus kommt dabei ein bunter Mix voller Lebensweisheiten und Ideen für Neues. Ich gehe immer wieder inspiriert aus den Treffen nach Hause und freue mich bereits auf das nächste Mal, das wie ganz aktuell verabredet, nicht mit Essen, sondern mit Bewegung mit oder ohne Hund stattfinden soll. Auch sie habe ich im Zusammenhang mit Impro und Bühne kennengelernt. Während eines Kurses stellte sich heraus, dass wir in benachbarten Dörfern leben und so kam es auch, dass wir uns immer noch sehen und auch – natürlich – weiter zusammen auf der Bühne stehen.

 

Ich freue mich über so viele liebe Frauen in meinem Leben und habe dann doch noch nicht von der einen und der anderen erzählt und ja, die hab‘ ich ja auch vergessen.

Loading Likes...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.