Gedeckt oder nicht?

Wir haben vor 6 Jahren 2 Welpen aus dem gleichen Wurf mit zu uns nach Hause genommen. Bruder und Schwester, die wir nicht haben kastrieren lassen, weil wir sie so lassen wollten, wie sie erschaffen wurden.

Die 1. Läufigkeit der Hündin war dementsprechend das 1. Abenteuer mit Gejaule, räumlicher Trennung, Hundehose mit Vorlage, reduziertem Zuwendungs-Modus usw.

Nach dieser Erfahrung entschieden wir uns, dass ich – wenn es passt – für 1 Woche mit der Hündin an einen ruhigen Ort fahre und mit ihr dort die heißen Stehtage verbringe. Da die Läufigkeit in der Regel 3 Wochen beträgt und in der Regel die 3 Stehtage, an denen sie gedeckt werden will, in der 2. Woche sind, fahre ich also 1 Woche nach Beginn der Blutungen für 1 Woche weg. Das hat sich inzwischen als richtig erwiesen und somit praktizieren wir diese Hundereisen alle 6 – 8 Monate. Da wir sowie sonst nicht in Urlaub fahren, komme ich wenigstens dann in den Genuss einer Woche in Ruhe und Abgeschiedenheit.

In diesem Sommer jedoch sollten wir einen großen Schrecken bekommen:

Wie in der Zeit zuvor war ich mit der Hündin für ein paar Tage weggefahren und wir waren wieder zuhause. In der letzten Woche der Blutung und Läufigkeit verbellt sie den Rüden und beißt ihn auch weg. Sie will dann nicht mehr gedeckt werden.

Wir waren nun also bereits seit 3 Tagen zurück und die Blutungen ließen nach, die Hunde lebten nebeneinander her und machten keine Anstalten, dass der Deckakt vollzogen würde.

Wir brachten das Jungvieh auf ihre erste Weide und bewachten ihre Freude beim Austoben auf dem Feld und dem Erkunden des Terrains. Die beiden Hunde waren mittendrin, schnupperten die Koppel nach Hasen ab, suchten immer wieder die Nähe zu uns Menschen und ließen sich auf dem Grün nieder. Nachdem sich die Kälber auf dem neuen Fleckchen Wiese zurechtfanden, bauten wir ab und sammelten die Bänder und Stöcke usw. wieder ein. Und dann geschah das, was keiner vermutete.

Die Hündin schrie entsetzt und unsere Blicke fuhren herum. Sie hingen aneinander, es war unumstößlich, er deckte sei gerade.

Den Blick meiner Hündin werde ich nicht mehr vergessen: Warum hast du das zugelassen? Ich weiß, sie wird es vermutlich nicht wirklich gedacht haben, aber ich fühlte mich schlecht und ärgerte mich, nicht gut genug aufgepasst zu haben. Hunde decken sich einfach, die denken nicht darüber nach, das ist ihnen zum Selbsterhalt von der Natur so vorgegeben. Nur wir Menschen vermenschlichen die Hunde gerne – ich manchmal leider auch…

Nun denn, nach 1 Stunde waren sie wieder getrennt und es begann eine kleine Odyssee, die wir so noch nicht hatten.

  1. Wir haben aus Absicht die Hunde nicht kastrieren lassen, wohlwissend, dass das passieren kann.
  2. Wir haben eine Möglichkeit gefunden, wie wir mit der Situation der Läufigkeit umgehen können und sie hat sich als gut herausgestellt.
  3. Auch nach der Läufigkeit bekommt die Hündin keine Hormonspritze, damit sie nicht scheinschwanger wird, sondern ein Naturheilmittel, mit dem wir ebenso gut fahren wie mit der Läufigkeitslösung.

Nun aber wurde sie gedeckt – von ihrem Bruder! Auf diese Situation waren wir nicht vorbereitet…

Mein Mann wollte schon immer Nachwuchs haben, natürlich nicht von Bruder und Schwester, er hätte die Hündin gerne decken lassen. Ich wollte das aber nie.

Nach Telefonaten mit verschiedenen Tierärzten und Hundekennern war das „normale Prozedere“ klar auf der Hand: Die Abtreibungsspritze. Das fühlte sich nicht gut an und wurde auch von niemandem favorisiert. Nach langem Hin und Her entschieden wir uns dazu, dass wir die Hündin nach 35 Tagen ab Decktag per Ultraschall untersuchen lassen wollen, um festzustellen ob sie tragend ist und wie viele Welpen zu erwarten sind. Wir sind nämlich darüber eingekommen, dass wir die Deckung als gegeben ansehen und wir da jetzt nicht reinfuschen. Wenn sie tragend sein sollte, dann soll das so sein. Ein befreundeter Tierarzt hatte im gleichen Fall seine Hündin austragen lassen, die Welpen waren nicht behindert oder so und er wurde auch alle Welpen los.

Die Zeit bis Tag X zog sich unendlich lange hin, aber auch Tag X steht am Morgen dann doch vor der Tür.

Und was soll ich dir sagen?

Die Tierärztin schallte unsere Hündin sehr sorgfältig, zeigte uns Darm und Magen auf dem Ultraschallmonitor, aber sei fand nicht auch nur ein einziges angelegtes Hundekind in der Gebärmutter unserer Hündin.

Eigentlich unfassbar, aber wahr.

Mein Mann war ein ganz kleines bisschen darüber traurig, aber er fand es dann doch so viel besser. Ich war erfreut, erleichtert und überrascht. Aber es war nun mal so.

Nach vielen Wochen des Bangens wandelte sich die Sorge in das innere gute Gefühl, dass wir das Tier keiner unnötigen Chemokeule ausgesetzt zu haben.

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One thought on “Gedeckt oder nicht?

  1. Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich damit umgegangen wäre.
    So war es wohl für alle Beteiligten die beste Lösung.
    Liebe Grüße, Barbara

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