Ist das so? # 13

 

Egoismus besteht nicht darin,

dass man sein Leben nach seinen Wünschen lebt,

sondern darin,

dass man von anderen verlangt,

dass sie so leben,

wie man es wünscht.

(Oscar Wilde)

 

 

Ist das so?

 

 

Ein jeder sollte die Freiheit haben so zu leben wie er will. Selbstbestimmt und nicht durch Umstände oder Menschen in ein Leben gezwängt, das man nicht will.

Somit hat Oscar hier wohl recht, wer über einen anderen bestimmt ist ein Egoist, nicht derjenige, der sein Leben selbst bestimmt.

In manchen Breitengraden ist das selbstbestimmte Leben auch heute noch nur Privilegierten möglich. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird überall immer größer. Auch hier in Deutschland gibt es leider viele Menschen, die 2, 3 Jobs haben, um ihre Miete überhaupt zahlen zu können und um etwas zu essen zu haben. Diese Leute haben keine Freizeit für Yoga, Theaterbesuch oder schicke Klamotten. Um sich wohlzufühlen, haben sie hoffentlich eine warme trockene Wohnung und nicht allzu schlechte Nahrung. Das eine zieht nämlich leider meistens das andere hinterher. Wenig Geld, wenig Freizeit, weniger gute Ernährung usw. Stimmt nicht immer und auch nicht für alle, aber es ist real existierend genau neben  uns! Ich erkenne daran nur, wie gut es mir im Moment geht und ich bin täglich dankbar dafür.

Fremdbestimmung liegt auch bei der Unterdrückung von Frauen weltweit vor, die eben nicht ein selbstbestimmtes Leben haben –  bis heute hin. Man denke nur daran, dass Frauen in Deutschland erst seit 100 Jahren wählen dürfen, die neuseeländischen Frauen durften das bereits seit 1893 und 23 Jahre davor in 1870 wurde das erste Wahlrecht (auf Bundesebene) überhaupt ausgesprochen, nämlich im Bundesstaat Wyoming. Und man erinnere sich, dass Frauen bis 1977 (!!!) die Erlaubnis ihres Ehemannes benötigte, um einer Beschäftigung nachzugehen.

Ein gesunder Egoismus steht jedem gut und keiner sollte einem anderen vorschreiben, wie er zu leben hat. Nirgendwo auf der Welt. Niemand.

Herr Wilde hat diese Aussage wohl aus eigenem Erleben in die Welt gesetzt, wenn ich hier nur seine kurze Beschreibung auf Wikipedia lese – siehe unten.

Jeder nach seiner Fasson!

Es grüßt die Barbara

 

Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde (* 16. Oktober 1854 in Dublin; † 30. November 1900 in Paris) war ein irischer Schriftsteller, der sich nach Schulzeit und Studium in Dublin und Oxford in London niederließ. Als Lyriker, Romanautor, Dramatiker und Kritiker wurde er zu einem der bekanntesten und – im Viktorianischen Großbritannien – auch umstrittensten Schriftsteller seiner Zeit. Aus seiner Ehe mit Constance Lloyd gingen zwei Söhne hervor. Wegen homosexueller „Unzucht“ wurde er zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt; sie ruinierten seine Gesundheit. Nach seiner Entlassung lebte er verarmt in Paris, wo er im Alter von 46 Jahren starb. (Wikipedia)

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4 thoughts on “Ist das so? # 13

  1. Hallo Barbara, ich würde sagen, wer über andere beruflich bestimmt, ist ein Vorgesetzter oder Chef. Aber auch der Bundeskanzler eines demokratischen Systems wie der Bundesrepublik Deutschland bestimmt aufgrund seiner Position über andere. Im Privaten bestimmen die Eltern über die Kinder, was seinen Sinn hat. Bei allen diesen Fällen hat das Bestimmen über andere nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit einem hierarchisch gegliederten System, einer Ordnung. Wenn ich aber privat über jemanden bestimme (einen mündigen Erwachsenen), dann bin ich kein Egoist, sondern ein Ausbeuter oder (Haus-)Tyrann. Dann braucht es aber auch jemanden, der sich bestimmen lässt, ein Opfer. Hier würde ich von psychischen Abhängigkeiten sprechen. Für mich ist ein gesunder/ethischer Egoist jemand, der sich um seine eigene Belange kümmert ohne dabei andere durch Manipulationen oder Betrügerei zu übervorteilen oder deren Freiheit zu beschneiden. Und ein Egomane (kranker/unethischer Egoist) jemand, der andere übervorteilt und in deren Freiheiten beschneidet, um selbst besser dazustehen (Status/Macht). Hier wird es dann schnell kriminell. Egoismus hat so einen schlechten Ruf wie Aggression, obwohl beides zum Menschsein dazugehört und sogar überlebenswichtig ist. Nur die deformierte Form davon ist zerstörerisch. So sehe ich das zumindest. Dies sendet Dir mit herzlichen Grüße aus dem Westen, Robert

    1. Lieber Robert,
      welch ausführliche Abhandlung zum Thema Egoismus. Vielen Dank.

      Ich gebe dir in vielen Punkten Recht und empfinde das Wort Egoismus heutzutage auch eher negativ besetzt. Ein Egoist ist einer, der macht was er will und das ohne Rücksicht auf andere.
      Das Zitat von Oscar Wilde stammt aus einer Zeit, in der die Menschen wohl eher nicht so frei und selbstbestimmt waren, wie wir das heute für uns glauben zu haben.
      Ich kenne mich weder in der Zeitgeschichte vor 1900 aus, noch weiß ich näheres über Oscar Wilde, aber in der kurzen Beschreibung bei Wikipedia erlese ich, dass er möglicherweise eine Neigung hatte, die damals als ungeheuerlich eingestuft wurde. Er konnte darüber nicht selbst bestimmen, hatte eine Familie vielleicht des äußeren Anscheins wegen und verarbeitete diese Widersprüchlichkeit in seinen Romanen, Märchen und Gedichten. Keine Ahnung, ob und wie das alles zu verstehen ist. Ist halt meine Interpretation, die ich hier zum Besten gebe – lächle.
      Mir gefiel, dass er bereits vor über 100 Jahren diese Einsicht hatte, dass jeder für sich selbstbestimmt leben sollte und dass es niemanden gegen sollte, der das für ihn tut. Ich ging davon aus, dass er private gesunde Erwachsene meint, wobei man hier auch wieder die Fragen „Was ist privat?“, „Was ist gesund?“ und „Was ist eigentlich erwachsen?“ wieder auf eine Goldwaage legen könnte. Aber das lasse ich jetzt – erneut lächle.
      Er unterschied in seinem Zitat 2 Typen, die, die ihr Leben nach ihren Wünschen leben – seiner Meinung nach die „Nicht-Egoisten“ und die, die meinen zu wissen, wie andere zu leben haben – eben die „Egoisten“ und mit alle deinen Einwänden wird vielleicht ein Schuh draus. Seine Unterscheidung ist eine einfache Kategorisierung bzw. gar keine. Und darüber können wir uns noch sehr lange hier austauschen.
      Danke für deine sorgfältige Analyse und die vielen Worte, die du dir Zeit genommen hast, hier zu veröffentlichen.
      Ich bin auf weitere Kommentare gespannt.

      Herzliche Grüße von Barbara

  2. Anderer Blickwinkel
    Ich glaube nicht, das selbstbestimmt irgendwas mit den äusseren Umständen zu tun hat. Es geht dabei nicht darum sich Wünsche erfüllen zu können sondern in dem vorgegebenen Rahmen seinen eigenen Weg zu finden.

    1. Das ist schön gesagt bzw. geschrieben: … sondern in dem vorgegebenen Rahmen seinen eigenen Weg zu finden…
      Das gefällt mir sehr. Dankeschön!

      Wir reich ich doch hier beschenkt werde von so wissenden Menschen, die meinen Horizont erweitern. Nochmals Danke.

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