Ist das so? # 9

 

Das Glück liegt in uns selber, nicht in den Außendingen.

 

(Karl Julius Weber)

 

Ist das so?

 

Ja, ja, ja, wieder so ein Spruch, der mich auf mich besinnen soll, auf meine inneren Werte und Schönheit usw. usw. usw. blablabla.

Manchmal kann ich es echt nicht mehr hören, diese Gutmenschworte … weniger ist mehr und so…

Herr Weber war ja auch Satiriker – vielleicht ist das von ihm auch gar nicht ernst gemeint gewesen – in welchem Kontext hat er das überhaupt gesagt? –  und er meint genau das Gegenteil, nämlich dass es genau an den Außendingen liegt, die uns glücklich machen. Nämlich ein schönes Haus, ein Auto, ein dickes Bankkonto, Erfolg, Ruhm usw.

 

Ja, ich höre schon eure Einwände – aber Barbara …

 

Ich bin heute mit dem falschen Fuß aufgestanden und kann diesen Selbstoptimierungsscheiß einfach nicht mehr hören. Ich bin so wie ich bin und ich werde nicht mehr anders werden. In jeder Hinsicht: Charakter, Größe, Form usw. Ich kann versuchten den Status Quo zu halten, aber nix macht aus mir eine Andere. Ich werde einfach nur älter, möglicherweise werde ich irgendwann einmal graue Haare haben und meine Sehkraft, Beweglichkeit und mein Denken wird beeinträchtigt sein. Aber in mir drin, bin und bleibe ich die Barbara, die ich schon immer war, mit ein wenig mehr Erfahrung, aber doch die Barbara.

Es gibt ein Video von Eckart von Hirschhausen, in dem er schildert, wie er zu einer kleinen Erleuchtung kam. Seitdem weiß ich, dass ich so wie ich bin genau in mein Leben passe!

Ich habe hier den Link zum Video https://www.youtube.com/watch?v=tOxywMaE8GY

und hier das Ganze auch als Text für dich.

Eckart von Hirschhausen

Die Pinguin-Geschichte
oder: Wie man sich in seinem Element fühlt

Diese Geschichte ist mir tatsächlich passiert. Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.

Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.

Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”
Diese Begegnung hat mich zwei Dinge gelehrt. Erstens: wie schnell ich oft urteile, und wie ich damit komplett daneben liegen kann. Und zweitens: wie wichtig das Umfeld ist, ob das, was man gut kann, überhaupt zum Tragen kommt.

Wir alle haben unsere Stärken, haben unsere Schwächen. Viele strengen sich ewig an, Macken auszubügeln. Verbessert man seine Schwächen, wird man maximal mittelmäßig. Stärkt man seine Stärken, wird man einzigartig. Und wer nicht so ist, wie die anderen sei getrost: Andere gibt es schon genug! Immer wieder werde ich gefragt, warum ich das Krankenhaus gegen die Bühne getauscht habe. Meine Stärke und meine Macke ist die Kreativität. Das heißt, nicht alles nach Plan zu machen, zu improvisieren, Dinge immer wieder unerwartet neu zusammen zu fügen. Das ist im Krankenhaus ungünstig. Und ich liebe es, frei zu formulieren, zu dichten, mit Sprache zu spielen. Das ist bei Arztbriefen und Rezepten auch ungünstig. Auf der Bühne nutze ich viel mehr von dem was ich bin, weiß, kann und zu geben habe. Ich habe mehr Spaß, und andere haben mit mir mehr Spaß. Live bin ich in meinem Element, in Flow!

Menschen ändern sich nur selten komplett und grundsätzlich. Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe. Also nicht lange hadern: Bleib als Pinguin nicht in der Steppe. Mach kleine Schritte und finde dein Wasser. Und dann: Spring! Und Schwimm!
Und du wirst wissen, wie es ist, in Deinem Element zu sein.

 

Ich mag diese Geschichte und freue mich, dass sie mir hier gerade beim Schreiben wieder eingefallen ist.

Nun gut, ich weiß, dass ich im Außen keine Zufriedenheit und kein Glück finden werde und wenn, dann nur ein sehr kurzfristiges. Ich weiß, dass ich in mir ruhen kann, mir vertrauen kann und an mich glauben kann. Und dass ich genauso richtig bin, wie ich bin.

In diesem Sinne grüße ich euch ganz herzlich.

Barbara

 

Karl Julius Weber (* 16. oder 20. April 1767 in Langenburg; † 19. Juli 1832 in Kupferzell; auch Carl Julius Weber geschrieben) war ein deutscher Schriftsteller und bedeutender Satiriker. (Wikipedia)

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6 thoughts on “Ist das so? # 9

  1. Das was ich von dir kenne, ist auf jeden Fall gut genug.
    Natürlich beeinflussen uns auch äußere Dinge. Denken wir doch nur einmal auf den Einfluss des Wetters oder von Landschaften auf unsere Wahrnehmung. Der Gesichtsausdruck unseres Gegenübers. Da gibt es sicher noch mehr.
    Die Geschichte gefällt mir sehr gut. So ein ähnliches Teil hab ich auch hier rumfliegen. Vielleicht finde ich es noch. Ich habe es schon mehrfach in der Schule ausgelegt und an Eltern verteilt. Ich schau mal.

    1. Liebe Caro,
      danke für deinen schönen Eingangssatz – der kleine steinböckige Perfektionist in mir hat verschämt auf den Boden geguckt – grins.
      Ja, die äußeren Einflüsse sind real, es kommt vielleicht auch darauf an, wie man damit umgeht.
      Ich freue mich auf deine Geschichte.

  2. Ich hab`s.
    Vor langer Zeit hatten die Tiere eine Schule.Der Stundenplan bestand für alle Tiere aus den Fächern rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen.

    Die Ente war gut im Schwimmen, soagr besser als ihr Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, im Rennen ein hoffnungloser Fall. Weil sie darin so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und das Rennen üben, das Schwimmen aber ausfallen lassen. Bald war sie im Schwimmen nur noch Durchschnitt. Da aber durchschnittliche Noten in Ordnung sind, machte sich niemand darüber Gedanken.

    Der Adler erwies sich als Problemschüler. Weil er auf seiner eigenen Methode bestand, wurde er streng und unnachgiebig gemaßregelt, obwohl er im Fliegen alle anderen schlug.

    Der Hase war anfangs im Laufen absolute Spitzenklasse. Aber er bekam einen Nervenzusammenbruch wegen des Nachhilfeunterrichts im Schwimmen und musste von der Schule abgehen.

    Ich werde es auch auf meinem Blog veröffentlichen. Passt ja gut zu den beiträgen zu Sophie.

    1. Das ging ja fix – klasse.
      Eine sehr schöne Geschichte – danke. Sie zeigt hier sehr anschaulich, dass wir alle verschieden sind und auch sein sollen und dass JEDER ein Talent hat.
      Ja, mach da auch einen Blogbeitrag draus, es gibt nicht genug Wiederholungen und Wiederholungen und Wiederholungen, sich dieser Dinge immer wieder bewusst zu werden.
      Gruß und auf bald, Barbara

  3. Der Satz hat nichts mit “Gutmensch” oder “Selbstoptimierung” zu tun und wenn du entscheidest die Barbara (auch hinsichtlich des Glücks) zu bleiben die du immer warst, dann wird dem so sein.
    Ich verstehe den Autor weil dem für mich genau so ist.
    Der Pinguin in mir, grüsst den Pinguin in dir

    1. Ja, du hast ja recht, ich hatte nur für einen Augenblick das Gefühl, dieser klugen Sprüche überdrüssig zu sein… weil eigentlich weiß man ja…, und könnte…, aber es läuft oft anders im Leben.
      Danke für die Grüße, die ich gerne erwidere.

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