Montagsstücke – Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte …

Montagsstück heute:

 

Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte,

spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter

und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier.

 

Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte, spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier. Sie konnte ihm beim Essen nicht mehr zusehen, so widerte es sie an. Er schlang alles herunter, was er zu fassen bekam, wischte sich nie den Mund und sprach dann auch noch lauter Unsinn mit vollem Mund. Wie immer hatte die Mutter Recht behalten, dass der Herr zwar reich und berühmt war, aber keinerlei Manieren besaß und ihr nicht gut tun würde. Das war jetzt 20 Jahre her und sie arrangierte sich mit Whiskey und jungen aufstrebenden Künstlern, so wie der, der sich gerade an Chopin versucht. Sie hatte ihm bereits eindeutige Zeichen gegeben, so verschwand sie in ihrem Abteil und machte sich für das kleine Abenteuer bereit…

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Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte, spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier. Wie gut, dass sie hier ihre Ruhe hatte. Hier konnte sie sich überlegen, wie sie sich ihrem Liebsten noch vor der Ankunft des Zuges entledigen könne. Er hatte sie in mehrfacher Sicht angelogen, was die Themen Treue, Geld und gemeinsame Zukunft anging, sodass sie nun entschieden hatte, ihr Leben in Zukunft ohne ihn, aber mit seinem Geld zu verbringen. Als Witwe würde man sie in  Ruhe lassen, als Sitzengelassene nicht. Also lauschte sie dem jungen Mann am Klavier und sinnte ihren Plan aus…

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Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte, spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier. Sie blickte aus dem großen Salonfenster und ließ die Landschaft an sich vorbeiziehen. Was würde wohl geschehen, wenn sie angekommen sind? Würde sie all den Erwartungen gerecht werden? All die Jahre, die sie sich in diesem fremden Land aufgehalten hatte, um die Sprache und die Kultur kennenzulernen, hatten sie fern ihrer Heimat ein wenig wehmütig werden lassen. Ihr Vater hatte sie vor einer Woche persönlich abgeholt und würde sie nun bis nach Hause begleiten, wo sie dann den Prinzen heiraten würde. All dies war vorausschauend geplant und umgesetzt worden. Nun war sie an der Reihe, ihres dazuzutun…

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Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte, spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier. Die Perlenkette war das einzige, was sie von ihrer Mutter hatte neben den unzähligen Briefen, in denen sie sich immer wieder mehrfach entschuldigt hatte. Sie hatten keinen engen Kontakt mehr, aber die Nachricht, die die Depesche am Vormittag überbracht hatte, ging ihr doch nahe und selbst die Musik konnte sie nicht trösten….

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Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte, spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier. Er spielt gut, hatte schnelle Finger und verstand, was er da spielte. Ja, dieser junge Mann ging in seinem Spiel regelrecht auf. Sie kannte dieses Gefühl, diese Stimmung, diese Hingabe nur zu gut. Hatte sie früher doch selbst gespielt, bevor – ja, ihre Gedanken brachen ab. Sie schluckte. Ihr Vater im Speisewagen wusste von all dem nichts, nur ihre verstorbene Mutter kannte ihr Geheimnis….

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Während er sich im Speisewagen den Wanz füllte, spielte sie im Nebenwagon mit der Perlenkette ihrer Mutter und lauschte dem blonden Jüngling am Klavier. Die Kette in ihrer Hand war leicht und geschmeidig, sie würde etwas Geld dafür bekommen und noch mehr Geld auftreiben, um ihren Bruder damit auslösen können…

 

MONTAGSSTÜCKE … sind ein Anfang.

Ein Satz und seine vielen Möglichkeiten.

Eine Mitmachreihe auf BARBALAPAPP

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