Montagsstücke – Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche…

Montagsstück heute:

 

 Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche,

damit war die Sache nun endgültig erledigt.

 

Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche, damit war die Sache nun endgültig erledigt. „Die paar Fusseln an der Hose sind doch nun wirklich kein Weltuntergang“, sagte sie, während sie die Hose wieder gefaltet auf den Bügel hing. „Du bist viel eitler als ich“, sie schob die anderen Kleidungsstücke im Schrank ein wenig zur Seite und hielt dann einen Augenblick inne. Dort unten im Schrank lag etwas. „Du hast auch viel mehr Klamotten hier im Schrank hängen, langsam wird’s hier echt voll.“ Sie hing die Hose an die Kleiderstange,  bückte sich und fischte aus den Tiefen des Schrankes einen kleinen Zettel mit einer Notiz. Schlagartig fuhr sie herum, die Stimme ihres Mannes hinter ihr war nah, näher als sie vermutete, glaubte sie ihn unten im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzend. „Guck mal, das habe ich gerade hier unten im Schrank gefunden. Da steht etwas drauf, ich kann es aber nicht entziffern, du hast echt eine Sauklaue.“ Sie reichte ihm das Papierstück und wand sich erneut dem Schrank zu. Sie sah nicht, wie er hektisch den Zettel in die Hosentasche seiner Jogginghose stopfte. Beim Hinausgehen murmelte er etwas von ‚neuer Klient, muss ich anrufen, mach ich nächste Woche‘. Sie schloss die Schranktür und setzte sich auf den kleinen Hocker vor dem Bett. Sie schaute sich in der Spiegeltür des Schrankes an. Etwas an der Notiz auf dem Zettel störte sie und passte so gar nicht zu seinem Gebrumme. Da war doch ein gemaltes Herz drauf. Also das konnte sie auch ohne Brille sehr gut erkennen….

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Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche, damit war die Sache nun endgültig erledigt. Immer diese Empfindlichkeiten: die Musik ist zu laut, der Nachbar raucht wieder auf dem Balkon, die Meyers fahren jede Ferien in Urlaub, der Laden ist wieder teurer geworden, der Fernseher hat einen Farbstich, die Suppe hat auch schon mal besser geschmeckt, die Pflanzen auf dem Balkon brauchen Wasser und der Hund ist schon wieder dreckig. Immer dieses Negative, das konnte einem ehrlich auf den berühmten Sack gehen. Nichts war ihm heilig und nichts war okay. Der Hund war draußen gewesen, der Arme kommt sowieso nur noch 2 x täglich raus, nämlich, wenn ich ihn ausführe, weil der alte Herr das nicht mehr kann. Der kann nur nörgeln. Wir gut, dass ich den nicht jeden Tag aushalten muss, echt. Mir reichte das Wochenende, wenn seine Kinder mal frei machen wollten, was ich sehr gut verstehen kann!

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Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche, damit war die Sache nun endgültig erledigt. Sein Haar hatte er zwar seit Wochen nicht gewaschen, aber das tat nichts zur Sache. Die grobe Verschmutzung durch den Bus mit der Matschpfütze an der Haltestelle, als er sich gerade nach einem Euro auf dem Bürgersteig bückte, hatte ihm dieses Sand-Erde-Sonstnochwas-Gemisch genau auf sein Haupt gespritzt. Er hatte es trocknen lassen, dann konnte er mit der Haarbürste, die ihm der Busfahrer freundlicherweise überlassen hatte, die festen Krumen gut herausbürsten. Davor war er erst mal mit den 5 Euro, die ihm der Fahrer, der sich mehrfach bei ihm überschwänglich entschuldigt hatte,  die er nicht hat abschlagen konnte, zur Grillbude gegangen, um sich dort mal richtig satt zu essen. Hatte er auch schon lange nicht mehr gehabt. Ah ja, und von dem Euro, der auf dem Boden lag und ja irgendwie mit dem Malheur zusammenhing, kaufte er sich bei Paule eine Zigarre. Zur Feier des Tages, wenn er nachher zu seinem Schlafplatz ging, konnte er die Gute-Nacht-Zigarre erst richtig genießen…

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Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche, damit war die Sache nun endgültig erledigt. Niemand würde auch nur ein Haar auf seinem Jackett finden. Und besonders seine Frau würde die kurzen blonden Haare von Sheila nicht entdecken. Aber die Jacke war sein kleinstes Problem. Konnte er sich doch von Hose und Schuhen inklusive Socken total verabschieden, weil Sheila alles vollgekotzt hatte. Aber nicht nur das. Sie hatte auch jede Menge Blut verloren, von dem am meisten zwar auf dem Teppich gelandet war, aber eben auch auf seiner Hose und den Schuhen und den Socken. Er hatte alles zusammen gewickelt. Sheila mit Hose, Schuhe und Socken in den Teppich eingedreht und mit Paketband verschnürt. Einen Augenblick saß er in Unterhose auf dem kleinen Tischchen neben dem Teppichpaket, als ihm eine Idee kam…

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Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche, damit war die Sache nun endgültig erledigt. Nein, da waren doch noch mehr von diesen Fusseln, es war einfach zum Verrücktwerden. Er würde dieses Sakko nie wieder anziehen können, wenn er nicht diese hellbraunen Fasern komplett und restlos entfernen konnte. Wie konnte er auch nur denken, dass die Dame mit dem Mohairmantel so haaren würde? Nie mehr würde er den Fahrstuhl benutzen, das war jetzt auch vorbei. Seine Finger waren schon ganz aufgeschlissen, so sehr hatte er auf seiner Jacke herum gerubbelt. Vermutlich hatte er es nur verschlimmbessert. Also warf er das Sakko in den Müll, es hatte keinen Zweck…

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Zur Reinigung erfolgten ein paar wenige Bürstenstriche, damit war die Sache nun endgültig erledigt. Der Schädel lag frei und konnte problemlos aus dem Grab herausgelöst werden. Erst vor 2 Tagen hatten sie die Knochen hier in dem kleinen Wäldchen gefunden und alles, was sie von dem Kommissar zu hören bekam war ein: „Bitte schnelle Ergebnisse“, bevor der dann wieder in sein warmes Büro verschwunden war, während sie hier draußen unter einem improvisierten Zelt bei 3 Grad unter erschwerten Bedingungen die Knochen aus dem Erdreich hervorbrachte. Der Schädel wies einen Bruch am Hinterkopf auf, den es später dann im Institut noch näher zu untersuchen galt. Sie wickelte ihn in ein weiches Tuch und legte ihn zu den anderen Teilen des Skelettes, die sie bereits ebenso sorgfältig und fachmännisch aus der Erde geholt hatte. Sie persönlich tippte auf Mord, aber das interessierte hier sowieso niemanden…

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