NOCHMAL … Das Klück beim Prötschenholen

NOCHMAL veröffentlich zwar schon ältere, aber interessante Beiträge aus meinen vormaligen Blogs.

Ein bunter Mix aus Mitmachaktionen und eigenen Texten. Viel Spaß!

Recht-Schreibung oder Wo man herkommt (2018)

Seitdem ich mit meinem neuen Blog ‘Barbarablogt’ angefangen habe, beschleicht mich immer wieder das Gefühl, dass es eigentlich ‘Barbarabloggt’ heißen müsste.

Heute fand ich Zeit, dem Rechtschreib-Problem auf den Grund zu gehen und siehe da, mein Gefühl hatte mal wieder Recht (dass man dem eigenen Gefühl so wenig Beachtung schenkt, grübel, denk…. )

Nun gut. Nun ist es eben so, die Domain ist nicht veränderbar und ich muss nun damit leben einen sehr individuellen Blognamen zu haben. Ein bisschen ärgert mich das und mir ist es eigentlich der Welt gegenüber peinlich, dass hier eine tief verwurzelte – mit der Muttermilch aufgesogene Sprach-Un-fertigkeit zu Tage tritt.

Denn ich glaube, dass diese Tatsache darauf beruht, wo ich herkomme und wie dort gesprochen wird. Ursprünglich bin ich in Trier geboren und dort gibt es ein paar Sprachfeinheiten, die vermutlich dazu beigetragen haben, dass für mich anfänglich barbarablogt vollkommen richtig zu sein schien. Liest Du hier gleich mehr….

… denn noch etwas zeigt mir, dass ich nicht nachgedacht habe – ich war mal wieder zu schnell bei der Sache, wollte schnell die Domain reservieren und patsch, schon verloren…. Ja, ich bin impulsiv und spontan, aber in einem solchen Fall würde ich mir wünschen, dass der Steinbock in mir die Oberhand hat und vernünftig und langsam alles kontrolliert und überschaut.

Okay, also zurück zu den Wurzeln und den dortigen Sprachfeinheiten:

In Trier hat man z. B. Klück und dort zieht man auch die Brille an. Dann kann es sein, dass man Gewicht abholt, wenn man eine Diät macht und ein Prötschen lässt man sich schmecken. Und außerdem gibt es kein echtes CH – so gibt es eben disch und misch!

Vor über 25 Jahren kam ich nach Lübeck – mit diesen Vorgaben! – und habe schnell gelernt, dass diese meine Muttersprache für andere nicht unbedingt verständlich, für mich sogar manchmal peinlich sein kann.

So bat ich z. B. eine Patientin einmal ihre Brille anzuziehen, worauf sie mich verständnislos anschaute. Meine Kolleginnen grinsten und forderten die Patientin dann auf, ihre Brille aufzusetzen. Und ab dem Zeitpunkt setzte auch ich meine Brille auf! Ich hatte eine Alternative gefunden!!!!

Das mit dem Klück war ähnlich. Meine Gegenüber fanden das lustig und versuchten das nachzusprechen, aber vermutlich liegt das nur echten Moselanern im Blut! Mein Gaumen und meiner Zunge, mein ganzer Körper formte fortan ein G, das seinesgleichen sucht und wenn ich heute jemandem Glück wünsche, dann wirklich aus ganzem Herzen….

Die Prötschen-Problematik fand dann aber auch durch neue Lippenformung und Rachendynamik den richtigen Klang und fortan kaufe ich Brötchen, Teilschen, Kuchen und Baguette mit Freude ein. Teilschen, noch so ein Wort, das man hier im Norden nicht kannte. „Was möchten Sie?“ „Äh, ein Teilchen – also äh, so eine Schnecke da, bitte“, oder einen Kopenhagener – der wiederum für mich Neuland war. Für mich war Kuchen auch immer Kuchen, eine Unterscheidung in Torte war mir vollkommen neu. Selbst bei Backwaren gibt es regionale Sprachunterschiede!!!!!

Dass ich hier mit einem Feudel den Boden wische, war mir schwer beizubringen, also nicht das Putzen an sich, aber dieser Begriff, der sich mir nicht einprägen wollte. Inzwischen merke ich, dass mich der Norden assimiliert hat und meine Freunde aus Trier nun mich oft verwundert anschauen und nachfragen, was ich denn mit diesem oder jenem Ausdruck meine.

Da kann es dann schon mal sein, dass es was zum klamüsern gibt, was meine Freunde dann mit einem Fragezeichen im Gesicht quittieren. Oder ich finde eine Situation ein wenig figgelinsch. Wenn das öfters vorkommt, dass sie nicht wissen was ich meine, dann kann ich auch richtig muksch werden! Und bis die das dann begriepen, muss ich immer sehr viel Geduld haben. Als inzwischen zweisprachig lebende Person hab ich natürlich Verständnis und helfe beim Aufklären. Dann entwirren wir mühsam das ganze Durcheinander, diese schwierige, vertrackte Situation lösen wir dann schnell auf, ich bin dann nicht mehr beleidigt und alle haben alles begriffen. Wunderbar!

Zurückzukommen auf die Trierer Mundart, führe ich keine Diäten mehr aufgrund ihrer fehlenden Nachhaltigkeit durch, sondern nehme inzwischen einfach Gewicht ab – also in der Aussprache, nicht im echten Leben – das ist eine andere Geschichte….

Ich hole die Post, aber ich nehme mir eine Flasche aus der Wasserkiste. Dieses Holen und Nehmen in Trier ist eine Besonderheit, die tief verwurzelt ist und Jahrzehnte benötigt im Norden richtig und sicher angewandt zu werden.

So, jetzt noch mal zum CH. Eine der schwersten Übungen! Wenn man nie in seinem Leben das s vom ch getrennt hat, ist es verdammt schwer, es im Erwachsenenalter zu schaffen.

Die Milsch wird auch ohne s sauer, das Lischt kann auch ohne s ausgeknipst werden und Ich liebe disch klingt doch gleich vollkommen unglaubwürdig, oder!? Die Kirsche lässt man im Dorf und die Kirrrsche lässt man sich schmecken. Peinlisch ist einem da garnix! Der Trierer an sich redet, wie ihm der Mund wächst und weiß nichts von seiner Sprachbesonderheit. Für ihn ist das halt ganz normal. Die anderen sprechen so komich – ein Versuch Hochdeutch zu sprechen…. Da kommt wieder diese Verquerung im Moselaner Gehirn zum Vorschein….

Hier beim Schreiben fällt mir zudem immer mal wieder auf, dass ich bei dem Wort einen das en vergesse, einfach weglasse, weil mein Geist und meine Stimme auch nur ein denken und sagen würden und somit lasse ich das en dann auch einfach im Text weg. Daher rührt auch meine ausgesprochene penible Doppelt- und Dreifach-Lesekorrektur, ohne die ein Text nicht veröffentlicht wird. Bei Kommentaren, die ich spontan bei anderen Bloggern hinterlasse, kann das schon mal vorkommen. Da finde ich es dann nicht ganz so schlimm, wir sind ja hier nicht bei Pisa.

Und das mit den Fällen, dem Dativ und dem Akkusativ usw. haben es die Trierer auch nicht unbedingt. Hier ist ein typischer Satz, der erstgemeint ist, aber jeden anderen zum Lachen bringt: „Wem sein Fahrrad ist das?“ Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen…..

Nun, zurückzukommen auf den eingangs vermuteten vermeintlich fehlerhaften Blognamen ‘Barbarablogt’ statt ‘Barbarabloggt’ lässt sich nur folgenden Schlussfolgerung dazu ableiten: ich bin eine unheimlich kreative Person, die sich über Rechtschreibung hinwegsetzt und gerne neue Worte kreiert.

In diesem Sinne ein tolles Wochenende!

Den Blog ‘Barbarablogt’ gibt es nicht mehr – er wurde von Barbalapapp abgelöst. Vermutlich konnte ich mit diesem Blognamen einfach nicht mehr leben….

Ich weiß noch, dass ich sehr lange an diesem Beitrag gearbeitet habe, um die einzelnen Unsprachlichkeiten zu beschreiben. Während des Schreibens fielen mir dann immer mehr Beispiele dazu ein. Der Artikel hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich finde ihn nach wie vor gut und möchte mit meinen Unsprachlichkeiten nicht hinterm Berg halten.

Auf jeden Fall ein tolles Wochenende wünscht Barbara

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