NOCHMAL – Die Entscheidung

NOCHMAL veröffentlich zwar schon ältere, aber interessante Beiträge aus meinen vormaligen Blogs.

Ein bunter Mix aus Mitmachaktionen und eigenen Texten. Viel Spaß!

 

(2017)

Die Entscheidung

Sie sprach mal wieder ohne Punkt und Komma in diesem schrillen Ton, sie ließ einfach keine Ruhe und nervte seit geraumer Zeit mit ihren Ansichten über den Mann, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte.

Ich weiß wirklich nicht, was Du in diesem Mann siehst, es ist doch ziemlich eindeutig, dass er nicht zu Dir passt, sieh ihn Dir doch einfach nur mal an, er ist nicht besonders groß, nicht gut gebaut, er hat wenig Haar auf dem Kopf und sein Gesicht sieht so verschlagen aus und außerdem hat er noch nicht mal ein Haus in der Stadt und seine Umgangsformen lassen wirklich zu wünschen übrig, das ist kein Umgang für Dich, ich sage es nur ungern, aber Du musst Dich entscheiden.

Ich hörte gar nicht richtig hin, hingen meine Gedanken doch bei ihm, ich lächelte und mein Blick streifte die opulenten Wandbehänge am Fenster, hinter dem ich im Garten dem Dienstpersonal beim Aufdecken des Fünf-Uhr-Tees unter einem Baldachin zusah.

Also, ehrlich, dass Du das nicht einsehen willst, so jemand passt nicht in unsere Familie, auf gar keinen Fall möchte ich diesen Mann in meinem Hause zu Gast haben, das hast Du jetzt aber gehört, denn Du hörst immer alles, also ich sage, er kommt mir nichts ins Haus und Du guckst nur in die Wolken, aber hör doch bitte Kindchen, ich meine das ernst und möchte, dass Du diesen Kontakt sofort und auf der Stelle abbrichst.

Ich drehte meiner reichen Erbtante, einer kleinen Person mit hochgestecktem grauen Haar und schmuckbehangen, widerwillig mein Gesicht zu, versuchte ein Lächeln, das mir aber nicht wirklich gelang und fragte mich, warum sie sich immer in meinen Angelegenheiten einmischte und natürlich immer wieder damit drohte, mich zu enterben.

Das schlimmste, dass allerschlimmste aber überhaupt ist, dass er ein Kind hat, ein Kind ohne Mutter, was muss das für ein Mensch sein, dass eine Frau ihn und das Kind verlässt, da hört doch alles auf, das ist nicht akzeptabel, nein, in keinerlei Weise ist das auch nur im Ansatz annehmbar, ich verstehe Dich nicht, was ist es bloß, dass Du Dein Erbe aufs Spiel setzt?

Was es ist, willst Du wissen?

Ein Leben mit diesem Mann am Meer!

Ein Leben weit weg von Geld, Manieren, Gehabe und Status!

Das ist es!

 

Diese Kurzgeschichte habe ich im Rahmen der inzwischen gut bekannten abc-etüden von Christiane geschrieben.

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