Wahrnehmung und Vertrauen in sich selbst

Sich selbst trauen, darauf vertrauen, dass die eigene Wahrnehmung stimmt, habe ich letztens während einer Autofahrt bemerkt.

Wenn ich lange genug einen Wagen fahre, kenne ich alle Geräusche, die er in seinem Normalzustand macht. Jedes Klicken, Schubbern, Scharren, Knacken usw. kann ich zuordnen. Deshalb fällt mir ein neues, anderes Geräusch dann auch sehr schnell auf.

Ich fahre also durch die Straßen und sehe, dass mein Fenster auf meiner Fahrerseite geschlossen ist, und doch hört es sich so an, als ob es nicht geschlossen ist. Ich bediene die elektrische Fensterhebung und tatsächlich ein winziger Rest bis zum kompletten Verschluss der Scheibe fehlte noch. Und das habe ich gehört.

Wahnsinn!

Es gibt noch andere Beweise, dass ich eine gute Wahrnehmung, vor allem, was das Hören angeht habe.

Z. B. saßen wir vor einiger Zeit gegen Mittag am Tisch und ich hörte ein Kalb rufen. Aber es klang so, als ob es im Vorgarten stünde. Ich sagte das meinem Mann, der winkte aber nur ab, wie denn das Kalb in den Vorgarten kommen könne. Ich gab nach, bis das Kalb erneut rief und ich aufstand und zum Fenster ging. Und was sag ich dir? Da stand ein Kalb mitten im Vorgarten. Wir haben dann das Kalb zu seiner Mutter gebracht und wieder mehr konnte ich meinen Mann mit meinem Supergehör beeindrucken.

 

In den vielen Jahren hier auf dem Lande, in denen ich mit dem Kreislauf der Natur lebe, habe ich ebenfalls eine andere bemerkenswerte Eigenschaft entwickelt. Im Laufe der Zeit habe ich ein Sensorium für gleich beginnenden Regen entwickelt. All die Tage, die ich dem Wetter ausgeliefert war und die Zeichen des Lichts, der Wolken und dem Wind studieren konnte – aber ehrlich, eher unabsichtlich – bin ich inzwischen sehr gut in der Lage zu sagen, dass es gleich zu regnen anfängt.

Ja, das stimmt!

Gerade letztens bei einer Freundin, die am Vormittag bei sommerlichem Wetter ihre Wäsche draußen aufgehängt hatte, sagte ich dann am Nachmittag, dass sie ihre Wäsche lieber wieder abnehmen sollte, sie sei inzwischen wohl eh trocken, weil auf meinem Platz auf ihrem Sofa mit direktem Blick auf die Straße mit Bäumen und Wind und dunklen Wolken und einer stillen Stimmung ohne Vögel und einer sich ergehenden Ruhe im Draußen, konnte ich die Zeichen erkennen.

Als sie mit der Wäsche wieder in der Wohnung war, genossen wir einen Tee und sahen dem Regen zu, wie er in schweren fetten Tropfen auf die Erde fiel.

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